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Author(s) Robertz, Frank J.
Year 2010
Title Amok(-drohung)
Published in Brauchle, Gernot (ed.): KrisenKompass - Handbuch für Lehrer und Schulleitung zum Umgang mit schweren Krisen im Kontext Schule; Schulverlag Plus, Bern.
ISBN 9783292006011
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Abstract Bei Amoktaten handelt es sich um sehr seltene, aber meist enorm folgenschwere Gewaltvorfälle. Die Nutzung des Begriffs „Amok“ erfolgt dabei häufig umgangssprachlich unpräzise und inflationär. Meist wird der etymologischen Annahme gefolgt, der Begriff stamme vom malaiischen meng-âmok ab und bedeute „in blinder Wut angreifen“. In seiner frühen Erscheinungsform galt der Amokläufer als Teil einer Gruppe von Elitekämpfern und wurde gesellschaftlich geachtet sowie gezielt eingesetzt. Später veränderte sich die Bedeutung grundlegend. „Amok“ zu laufen wurde zunächst zu einer gesellschaftlich akzeptierten Form des Suizids und wird heute als Form multipler Tötungsversuche umschrieben, die ohne Rücksicht auf das eigene Leben durchgeführt werden und „impulsiv-raptusartig“ beginnen. Genau dieser plötzliche Ausbruch trifft jedoch nicht auf die in den letzten Jahren an Schulen aufgetretenen Vorfälle zu, so dass „Amok“ streng genommen als Begriff für die schweren Gewalttaten Jugendlicher an Schulen gar nicht zutrifft. Jene schweren Gewaltdelikte an Schulen geschehen keineswegs impulsiv, sondern erst nach einer langen Phase der Planung. Während dieses Wochen, Monate oder Jahre andauernden Prozesses senden die Jugendlichen zahlreiche Signale, die rechtzeitig erkannt werden können. Im angloamerikanischen Sprachraum werden die Taten daher treffender als „School Shootings“ bezeichnet. Im Deutschen wird dieser Terminus von Fachleuten weitgehend übernommen, mitunter finden sich jedoch auch die Bezeichnungen „Schulmassaker“ oder „schwere zielgerichtete Gewalt an Schulen“.
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