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Author(s) Haring, Claus
Year 2010
Title Amokhandlungen bei beginnender Schizophrenie
Published in Unpublished
Pages 1-9
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Abstract Bei der Diskussion, unter welchen Bedingungen Amokhandlungen auftreten, wurde bisher kaum berücksichtigt, daß die Täter an einer psychischen Krankheit leiden könnten. In dem Sonderheft der Nervenheilkunde 7-8/2010 wird die Schizophrenie auf 40 Seiten nur zweimal erwähnt, aber mit der Einschränkung, daß in Deutschland ein Zusammenhang mit Amoktaten nicht bewiesen ist. Dagegen liest sich die sorgfältigen Analyse der Verhaltensauffälligkeiten von Amoktätern im gleichen Heft wie eine Aufstellung von psychopathologischen Merkmalen, die bei einem Psychiater zumindest den Verdacht auf eine schizophrene Erkrankung wecken würden. Bereits in der älteren psychiatrischen Literatur zwischen 1920 und 1932 finden sich Hinweise, daß es in den Anfangsstadien der Schizophrenie nicht selten zu Mordtaten kommt, die manchmal an Amokläufe erinnern würden. Aus diesem Grund hatte sich Wilmanns schon 1929 für die Abschaffung der Todesstrafe eingesetzt. Wahllose Massentötungen durch psychisch Kranke sind auch vor der Einführung von TV und aggressiven Videospielen bekannt geworden. Der Autor hält es für möglich, daß einige der in den letzten Jahren in Deutschland aufgetretenen Amokhandlungen Folge einer beginnenden Schizophrenie gewesen sind. Zumindest sollte man diese Möglichkeit bedenken. Von den Bezugspersonen werden vor allem Hausärzte oder Lehrer bei einem Jugendlichen einen auffälligen Bruch der Entwicklung und groben Verhaltensauffälligkeiten feststellen können. Die wünschenswerte Toleranz gegenüber Abweichungen des Verhaltens darf nicht zur Gleichgültigkeit gegenüber groben Auffälligkeiten und dem Schicksal der davon Betroffenen werden.
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